Sie sind hier:

Die Zukunft Bremens gemeinsam gestalten – Neujahrsempfang des Senats

Zum Neujahrsempfang des Senats hat Bürgermeister Carsten Sieling heute (18. Januar 2017) 450 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft im Rathaus der Freien Hansestadt begrüßt. Die traditionelle Veranstaltung in der Oberen Rathaushalle stand ganz im Zeichen der vor 70 Jahren wiederhergestellten Eigenständigkeit des Landes Bremen. Für den musikalischen Rahmen sorgten die beeindruckenden Klänge der Bremer Philharmoniker.

Der Bürgermeister: "Unser Bundesland war immer erfolgreich, wenn es alle Kräfte gebündelt hat, wenn es wirtschaftliches Wachstum und sozialen Zusammenhalt gleichermaßen im Blick hatte. Das wusste auch Wilhelm Kaisen, der als Präsident des Senats vor 70 Jahren für die Selbstständigkeit Bremens unbeirrt und erfolgreich gekämpft hat. Wir besitzen in Bremen ein festes Fundament von Freiheit, Verantwortung und bürgerlichem Engagement. Darauf bauen wir auch unsere weitere Zukunft auf!"

Mit Blick auf die Gestaltung der Zukunft des Zwei-Städte-Staates und vor dem Hintergrund der Neuordnung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen sprach sich der Präsident des Senats für einen breit angelegten Dialog aus. Sieling: "Die Diskussionen über Bremens Zukunft gewinnen langsam an Schwung, in Bremen und in Bremerhaven gleichermaßen. Und das ist auch gut so. Wir brauchen hierüber eine nach vorne gerichtete Debatte in unseren beiden Städten über diese wichtige Frage. Und wir brauchen eine breit getragene Zielperspektive für die 'neue Zeit' ab 2020. Aber wir wollen auch den notwendigen Respekt zeigen vor den noch anstehenden parlamentarischen Beratungen im Deutschen Bundestag und den Entscheidungen des Bundesrates. Deshalb müssen wir noch etwas innehalten. Danach aber brauchen wir eine zielgerichtete und fundierte Beratung. Nicht nur im Senat. Nicht nur in der Bremischen Bürgerschaft. Sondern in der Gesellschaft, in der Wirtschaft, mit den Bürgerinnen und Bürgern. Das hat unseren Stadtstaat immer ausgezeichnet, dieser republikanische Wille. Gemeinsam und Zusammenstehen, wenn es um die Zukunft geht. Um Arbeit, Wohnen, Bildung, Sicherheit, ja das Leben in Bremen und Bremerhaven."
Mit Blick auf die bevorstehende Bundestagswahl wünschte sich Sieling eine hohe Wahlbeteiligung. Der Bürgermeister: "Für die Zukunft der Demokratie müssen wir vor allem die junge Leute motivieren! Wir müssen sie überzeugen, dass sie mitverantwortlich sind für ihre eigene Zukunft." Die Rede des Bürgermeisters (pdf, 69.9 KB)

Als Ehrengast begrüßte Sieling die Politikwissenschaftlerin und ehemalige Präsidentin der Europa-Universität Viadrina, Gesine Schwan. In ihrer Festrede richtete sie ihren Blick auf die Herausforderungen und Chancen der Städte in einem geeinten Europa. Schwan: "Bremen hat Potential, engagierte Bürgerinnen und Bremer, eine innovative Wirtschaft und dazu eine Universität mit Exzellenzstatuts. Mit diesen Pfunden kann man wuchern."

Doyen Honorarkonsul Volker Kröning, Doyenne Generalkonsulin Elizabeth Bogosian und Bürgermeister Carsten Sieling, jpg, 47.2 KB
Doyen Honorarkonsul Volker Kröning, Doyenne Generalkonsulin Elizabeth Bogosian und Bürgermeister Carsten Sieling

Zuvor hatte der Bürgermeister die Vertreterinnen und Vertreter des Konsularkorps mit ihrem Bremer Doyen Honorarkonsul und Senator a.D. Volker Kröning (Königreich Marokko, Bremen) sowie Doyenne Generalkonsulin Elizabeth Bogosian (Republik Östlich des Uruguay, Hamburg) im Kaminsaal auf das neue Jahr eingestimmt. Generalkonsulin Elizabeth Bogosian hob die intensiven wirtschaftlichen Beziehungen der Bremer Wirtschaft hervor und bekannte: "Ich habe Bremen im Herzen." Zur aktuellen Weltlage stellte sie fest: "Wir tun gut daran, uns nicht vom Terror einschüchtern zu lassen und die Werte der Demokratie zu verteidigen." Der Bremer Doyen Volker Kröning ergänzte: "In Zeiten von Vorurteilen, Entfremdung und Hass ist es unsere Pflicht, Desintegration gemeinsam zu stoppen. Das Konsularkorps reicht dafür die Hand."

In der Freien Hansestadt Bremen gibt es 41 konsularische Vertretungen und drei ausländische Kulturinstitute. Weitere 75 Konsulate sind außerhalb des Landes Bremen ansässig und betreuen den Konsularbezirk Bremen.

Hintergrund: 1947 – Bremens Eigenständigkeit wird wiederhergestellt

Wie ein roter Faden zieht sich das Ringen um Selbständigkeit durch die bremische Geschichte. Es gibt eine Reihe historischer Daten, die in besonderer Weise daran erinnern. So feierte Bremen 1996 die 350. Wiederkehr des Linzer Diploms, mit dem 1646 die Reichsfreiheit besiegelt wurde. Für die jüngere Geschichte ist der 21. Januar 1947 bedeutsam. An diesem Tag nämlich erfolgte – aufgrund einer Übereinkunft zwischen der amerikanischen und der britischen Militärregierung – die Bildung eines selbständigen Landes Bremen – rückwirkend zum 1. Januar 1947. Es war die "Proklamation No. 3" der US-Militärregierung, mit der keine zwei Jahre nach Kriegsende die bremische Eigenständigkeit wiederhergestellt wurde. Bremen konnte hiermit, anders als manch andere Länderneugründung jener Jahre, an Jahrhunderte alte Traditionen der historischen Identität und der stadtstaatlichen Selbständigkeit anknüpfen.

Unterzeichnet wurde dies für Bremen so wichtige Dokument von Joseph T. McNarney, Kommandierender General der amerikanischen Streitkräfte in Europa und US-Militärgouverneur für Deutschland. Die Proklamation verfügte, dass ein "von nun an als Land bezeichnetes und unter einer Landesregierung stehendes Verwaltungsgebiet gebildet wird: Bremen – bestehend aus der Stadt Bremen, dem Landgebiet Bremen und dem Stadtkreis Wesermünde, einschließlich Bremerhaven". Das klingt kompliziert. Man muss sich zum Verständnis vergegenwärtigen, dass die Nationalsozialisten der Stadt Bremen 1934 die Selbständigkeit genommen hatten. Sie wurde gemeinsam mit Oldenburg einem Reichsstatthalter unterstellt, Bremerhaven hingegen wurde 1939 in die preußische Stadt Wesermünde eingegliedert. Mit der Verordnung vom 22. Januar 1947 wurde also klargestellt, dass Wesermünde/Bremerhaven künftig zum Land Bremen gehören sollte. Genau dies wurde am 7. Februar 1947 vollzogen, als die Stadtvertreter von Wesermünde für die Eingliederung in das Land Bremen votierten und einstimmig beschlossen, das Gesamtgebiet Wesermünde und Bremerhaven künftig Bremerhaven zu nennen. Am gleichen Tag wurden auch 20 Ratsmitglieder gewählt, die als Abgeordnete die Interessen Bremerhavens in der Bremischen Bürgerschaft (Landtag) vertreten sollten.
Mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai 1949 wurde das Land Bremen zum Bundesland.

Fotos: Senatspressestelle/Anja Raschdorf

Weitere Eindrücke des Neujahrsempfangs