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Weihnachtsansprache 2019

des Präsidenten des Senats der Freien Hansestadt Bremen, Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte

Die Weihnachtsansprache 2019 im Wortlaut

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

bunte Kerzen und Weihnachtssterne, Menschen, die fröhlich beieinanderstehen und Glühwein trinken, Musik von "O Du fröhliche" bis "Last Christmas".
Ich habe sie genossen, die ganz besonders lebendige und trotzdem heimelige Atmosphäre auf unseren Weihnachtsmärkten.
Die Weihnachtsmärkte in Bremen und Bremerhaven gehören zu den schönsten im Norden und ziehen Jahr für Jahr Menschen aus nah und fern an.

Vor kurzem wurden die Bremerinnen und Bremer gefragt: Was verbinden Sie eigentlich mit Ihrer Heimatstadt? Oder anders ausgedrückt: Was ist für Sie die "Bremen-DNA"?
Die Antwort hat viele vielleicht überrascht, mich aber hat sie vor allem gefreut. Weil Sie unsere beiden Städte offenbar genauso sehen wie ich, weil sie genauso empfinden, wie ich.
Denn an allererster Stelle verbinden Sie mit unserer Hansestadt den Begriff "weltoffen". Noch mehr als "Werder-Bremen", "grün" und "Weser" nannten Sie "weltoffen".

Gerade in der Weihnachtszeit hätte es kein schöneres Geschenk geben können.
Interessiert, gastfreundlich, ansprechbar, zugänglich, aufnahmebereit – es gibt viele Umschreibungen für "weltoffen", und sie alle passen so gut zur Weihnachtsgeschichte. Denn Weltoffenheit meint:
Wir Bremerinnen und Bremer sind neugierig auf andere Menschen, wir interessieren uns für unsere Nachbarn und für die Menschen, die aus anderen Teilen der Welt zu uns kommen. Wir schauen nicht weg, wenn andere in Not sind oder Sorgen haben. Wir sind bereit, zu helfen.

Liebe Bremerinnen und Bremer, liebe Bremerhavenerinnen und Bremerhavener, ich bin nun seit gut vier Monaten Bürgermeister und seitdem sehr, sehr viel in unseren beiden Städten unterwegs. Und lassen Sie mich eines vorweg sagen:
Ich habe die Menschen bei meinen Besuchen in den Stadtteilen und Quartieren, in den Unternehmen und in den Vereinen genau so wahrgenommen: neugierig, aufgeschlossen und hilfsbereit – eben weltoffen.

In der heutigen Zeit ist das nicht mehr selbstverständlich, in Bremen und Bremerhaven aber da wird Solidarität gelebt.
Etwa vor gut drei Monaten in der Oberen Rathaushalle. Mehr als 300 Gäste feierten da nicht nur den Kapitänstag, sondern auch Carola Rackete. Eine junge Frau, die im Mittelmeer Geflüchtete vor dem Ertrinken gerettet hat und deshalb angefeindet wird. Nicht nur in Italien, wo ihr sogar Gefängnis drohte, sondern auch in Deutschland, ihrem Heimatland.
Angefeindet, weil sie etwas getan hat, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Nämlich Menschen in Not das Leben zu retten.
Angefeindet aber nicht hier in Bremen. Die Kapitäne hier haben sie gefeiert für ihren Mut, dass sie sich mit den Behörden angelegt hat, um Menschenleben zu retten.

Und ich sage Ihnen: In solchen Momenten bin ich besonders stolz darauf, dass Bremen und Bremerhaven zwei weltoffene Städte sind und es bleiben wollen.

Liebe Bürgerinnen und Bürger, ich weiß, dass sich ganz viele von Ihnen für andere Menschen einsetzen. Dass sie helfen, wo Unterstützung gebraucht wird. In der Familie, als Ehrenamtliche in Vereinen und in den religiösen Gemeinschaften.
Dass Sie Verantwortung übernehmen in Gewerkschaften, Parteien und Verbänden.
Oder dass Sie einfach für andere da sind, in Ihrer Nachbarschaft, im Betrieb, im Freundeskreis.
Dieses großartige Engagement für andere ist eine wichtige Stütze für unsere Gesellschaft.
Denn auch bei uns gibt es Menschen unter Armut, Arbeitslosigkeit oder Einsamkeit leiden. Menschen, die keine Familie, Freunde oder Nachbarn haben, die sich um sie kümmern. Menschen, die mit Sorge auf morgen blicken, weil ihr Leben nicht in gefestigten Bahnen verläuft.
Für Ihre Hilfsbereitschaft möchte ich Ihnen ganz persönlich, aber auch im Namen des gesamten Senats der Freien Hansestadt Bremen, "Danke" sagen.

Liebe Bürgerinnen und Bürger, lassen Sie uns aber auch optimistisch in die Zukunft schauen.
Ich finde, wir haben allen Grund dazu. Wir haben eine starke Wirtschaft und eine starke Wissenschaft. Unsere Universität hat erst kürzlich eine Auszeichnung als beste junge Uni Deutschland erhalten.
Die Luft- und Raumfahrt ist Spitze in Europa, wenn nicht in der Welt.
Und Bremerhaven glänzt nicht nur mit den Häfen und dem Alfred-Wegener-Institut, sondern künftig auch als Kompetenzzentrum für die Zukunftstechnologie Wasserstoff.
Das sind nur drei Beispiele dafür, dass die Menschen in unseren beiden Städten auch Grund dazu haben, optimistisch zu sein.
Unsere beiden Städte haben zudem eine starke, lebendige und solidarische Zivilgesellschaft. Eine Gesellschaft, in der die Starken die Schwachen stützen, in der keiner und keine als "hoffnungsloser Fall" alleine bleiben muss, sondern Hilfe und Solidarität finden kann.
In der Weltoffenheit gelebt wird – ganz im besten hanseatischen Sinne.

Wir Bremerinnen und Bremer neigen oft dazu, die Zukunft grauer zu malen, als sie eigentlich ist. Skeptisch zu sein, wo Optimismus angebracht wäre. Unsere Heimat ein Stück negativer zu sehen, als es berechtigt wäre. Da hilft hin und wieder der Blick von außen.
Lassen Sie uns gemeinsam hoffnungsvoll in die Zukunft blicken und diese gemeinsam ein Stück besser machen.

Liebe Bremerinnen und Bremer, liebe Bremerhavenerinnen und Bremerhavener, ich wünsche Ihnen, Ihren Familien und Ihren Freunden friedliche Feiertage, ein frohes Weihnachtsfest und ein erfülltes Jahr 2020.

Von ganzem Herzen, Ihr Andreas Bovenschulte.