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Ehrenbürgerschaft der Freien Hansestadt Bremen

Die Auszeichnung von Personen als "Ehrenbürger" in ihrer heutigen Ausprägung setzte in Deutschland vor mehr als zweihundert Jahren ein. Die kommunale Auszeichnung ist in verschiedenen deutschen Städten in den 1790er Jahren erstmals nachweisbar. In Bremen wurde sie im Jahr 1797 – also recht früh – mit der Verleihung des "Großen Bürgerrechts" erstmals ehrenhalber vollzogen, ohne dass dabei der Begriff "Ehrenbürger" verwandt wurde. Dieser wird in Bremen erst seit 1828 verwendet.

Grundlage der Verleihung war das allgemeine Bürgerrecht, das Einwohner der Stadt zu vollwertigen Bürgern mit der Möglichkeit der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Teilhabe an den Geschicken der Stadt machte. Bei seiner Verleihung leistete der Neubürger den Bürgereid vor dem Rat beziehungsweise Senat. Die Ausübung des Bürgerrechts war stets mit Rechten, aber auch mit teils erheblichen Pflichten verbunden. Sein Erwerb war in Bremen seit dem Mittelalter an bestimmte rechtliche Voraussetzungen gebunden, so an die Stellung von Bürgen und an die Leistung von Gebühren. Über seine Verleihung entschied allein der Rat beziehungsweise später der Senat, der die Verleihung auch verweigern konnte. Das Bremische Bürgerrecht konnten (männliche) Bremer Einwohner bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts erwerben.

1797 "Großes Bürgerrecht"
ab 1828 "Ehrenbürger"
27 Ehrenbürger
2 Ehrenbürgerinnen

Die Ehrenbürgerschaft der Stadt Bremen ist hingegen eine Auszeichnung, mit der keine besonderen Rechte oder gar bürgerlichen Vorrechte verbunden waren und sind. Sie sollte vielmehr zwischen der Stadt und den meist hochgestellten auswärtigen Persönlichkeiten ein Band der Zuneigung und Gewogenheit knüpfen. Die Stadt machte damit einen Auswärtigen zu einem der Ihren. Die Ehrenbürgerwürde wurde daher zumeist auswärtigen Diplomaten, Militärs oder Politikern angetragen. Bis zum Jahr 1945 wurde sie ausschließlich Personen zuteil, die keine Einwohner Bremens (mehr) waren. Verleihungen an ehemalige Bremer Bürger wie an Heinrich Böse oder Bernhard Dräseke, erfolgten im 19. Jahrhundert erst, als diese Bremen verließen.

Seit 1947 ist es hingegen zur Regel geworden, dass gerade Personen, die ihren Lebensmittelpunkt in Bremen haben oder hatten – die also Bremer Bürger sind - mit der Ehrenbürgerschaft ausgezeichnet werden. Lange Zeit wurden nur Männer als Ehrenbürger gewürdigt, seit 2005 hat Bremen auch Ehrenbürgerinnen.

Für die Verleihung der Ehrenbürgerschaft durch die Stadtgemeinde Bremen gibt es keine rechtlichen Regelungen. Sie wird vom Senat vorgenommen und erfolgt auf Senatsbeschluss durch Ausstellung und Überreichung einer Ernennungsurkunde an die zu ehrende Person. Die Verleihung findet üblicherweise öffentlich in einem feierlichen Rahmen statt.
Die Ehrenbürgerschaft kann, da sie auf Bitten der Stadt einer Person als Ehrengabe angetragen wird und von der Person gegebenenfalls auch abgelehnt werden kann, eigentlich nur zu Lebzeiten verliehen werden. Ihre Wirkung endet daher strenggenommen – wie die Ausübung der bürgerrechtlichen Rechte und Pflichten - mit dem Tod der Person.

Neben der Auszeichnung mit der Ehrenbürgerschaft durch die Stadtgemeinde gibt es in Deutschland auch die Tradition, dass Hochschulen Ehrenbürger ernennen. Dies ist in Bremen sowohl in der Universität wie auch in der Hochschule Bremen der Fall.

Ehrenbürgerinnen und Ehrenbürger der Freien Hansestadt Bremen

Klaus Hübotter (1930-2022)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss vom 2. November 2010, Verleihung am 19. November 2010.
Begründung: Wegen seiner Verdienste als Bauherr und Mäzen für die bauliche und kulturpolitische Entwicklung Bremens.

Der Bremer Kaufmann Klaus Hübotter hat als Unternehmer und Mäzen das Bremer Stadtbild an herausragenden Stellen maßgeblich mitgestaltet.

Barbara Grobien (*1938)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss vom 6. September 2005, Verleihung am 5. Oktober 2005.
Begründung: Wegen ihres Engagements als Förderin von Kunst, Kultur und von anderen gemeinnützigen Einrichtungen.

Die Bremerin Barbara Grobien gründete zusammen mit ihrem Ehemann die Michael-und-Barbara-Grobien–Stiftung. Mit ihrem Engagement und mithilfe der Stiftung konnte die Arbeit gemeinnütziger Einrichtungen verstetigt werden.

Bürgermeisterin Annemarie Mevissen (1914-2006)

Auszeichnung durch Senatsbeschluss vom 6. September 2005, Verleihung am 5. Oktober 2005.
Begründung: Wegen ihrer Verdienste nach Kriegsende um den "Wiederaufbau und Aufbau einer demokratischen Gesellschaft und als Jugend- und Sozialsenatorin.

Es war ein frauenpolitischer Meilenstein in der Geschichte Bremens: Mit Annemarie Mevissen wurde im Jahre 1967 zum ersten Mal eine Frau zur Bürgermeisterin gewählt.

Uwe Hollweg (1937-2024)

Auszeichnung durch Senatsbeschluss vom 25.2.2003, Verleihung am 9.4.2003.
Begründung: Wegen der "Verdienste um die Öffnung der Wirtschaft zur Kultur".

Der Bremer Großhandelskaufmann Uwe Hollweg war als Geschäftsführer der Bremer Firma Cordes & Graefe tätig, die bereits sein Vater geleitet hatte. Von 1974 bis 1979 war er Landesvorsitzender der Bremer CDU.

Bernd Hockemeyer (1935-2020)

Auszeichnung durch Senatsbeschluss vom 25.2.2003, Verleihung am 9.4.2003.
Begründung: Wegen der "Verdienste um die Öffnung der Wirtschaft zur Kultur".

Der Bremer Kaufmann Bernd Hockemeyer leitete die Firma Gebrüder Thiele, die auf das Gründungsjahr 1848 zurückgeht. Von 1975 bis 1979 war Hockemeyer Mitglied der Bremischen Bürgerschaft (CDU-Fraktion).

Reimar Lüst (1923-2020)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss vom 3.7.2001, Verleihung am 29.11.2001.
Begründung: Wegen seiner Verdienste um den Luft- und Raumfahrtstandort Bremen und die Ansiedlung wissenschaftlicher Institutionen in Bremen, insbesondere der International University Bremen.

Als anerkannter Wissenschaftler und Astrophysiker war Reimar Lüst mit großem Engagement daran beteiligt, das Land Bremen zu einem Kompetenzzentrum in der europäischen und internationalen Raumfahrt zu entwickeln.

Hans Koschnick (1929-2016)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss und Verleihung am 30.3.1999.
Begründung: Wegen seiner Verdienste um eine in die Zukunft als Standort moderner Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie gerichteten Entwicklung Bremens und wegen seines Einsatzes zur Überwindung internationaler Konflikte im Sinne der Völkerverständigung.

Hans Koschnick, Bremens zweiter langjähriger Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg, war "ein echter Bremer Jung", wie er gelegentlich von sich sagte.

August Hagedorn (1888-1969)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss vom 11.10.1966, Verleihung am 4.11.1966.
Begründung: Wegen seiner Verdienste um den Wiederaufbau des demokratisch verfassten Bremen und um die gesetzgebende Arbeit der Bremischen Bürgerschaft.

Auch der Name August Hagedorn ist wie der des Ehrenbürgers Wilhelm Kaisen eng mit der bremischen Nachkriegszeit verbunden. Er war von 1946 bis 1966 Mitglied der Bremischen Bürgerschaft und der erste frei gewählte Bürgerschaftspräsident nach dem Zweiten Weltkrieg.

Wilhelm Kaisen (1887-1979)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss vom 12.1.1965, Verleihung am 17.7.1965.
Begründung: Wegen seiner Verdienste um die Rückgewinnung der Eigenstaatlichkeit Bremens, die Entstehung der Bundesrepublik Deutschland und den Wiederaufbau Bremens zu neuer Geltung als Hafen- und Handelsstadt.

Wilhelm Kaisen ist die sicher bedeutendste Bremer Persönlichkeit im 20. Jahrhundert.

Anton Kippenberg (1874-1950)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss vom 24.1.1949, Verleihung am 22.5.1949.
Begründung: Wegen seiner Verdienste um die Literatur als Vermittler, Sammler und Schriftsteller.

Der 1949 als Ehrenbürger ausgezeichnete Verleger und Germanist Anton Kippenberg war der Sohn von August Kippenberg, Gründer des heutigen Kippenberg-Gymnasiums.

Rudolf Alexander Schröder (1878-1962)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss vom 31.10.1947, Verleihung am 26.1.1948.
Begründung: Wegen seiner Verdienste um die abendländische Kultur und für sein literarisches Gesamtwerk.

Es war ein Künstler, der als erster nach der NS-Diktatur als Bremer Ehrenbürger ausgezeichnet wurde.

Adolf Hitler (Ehrenbürgerwürde wurde entzogen)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss und Verleihung am 20.3.1933.
Bürgerschaftsbeschluss zum Entzug des Ehrenbürgerrechts am 4.7.1946.
Begründung: Wegen der "großen Verdienste" …um die nationale Wiedergeburt des Deutschen Volkes.

Paul von Hindenburg (1847-1934)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss vom 14.9.1917, Verleihung am 1.10.1917.
Begründung: Wegen seiner Verdienste "um das deutsche Vaterland".

Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg wurde 1917 anlässlich seines 70. Geburtstages zum Ehrenbürger zahlreicher deutscher Städte ernannt.

Heinrich von Stephan (1831-1897)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss vom 19.4.1895, Verleihung am 26.4.1895.
Begründung: Wegen seiner Verdienste um das deutsche Post- und Telegrafenwesen.

Heinrich von Stephan war für die deutsche Postverwaltung zuständig und trug wesentlich dazu bei, dass der deutsche und internationale Postverkehr einheitliche Standards erhielten.

Helmuth von Moltke (1800-1891)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss vom 19.4.1871, Verleihung am 22.5.1871.
Begründung: Wegen seiner Verdienste um das Vaterland und den militärischen Sieg über Frankreich.

Ebenso wie Otto von Bismarck galt Helmuth von Moltke als Wegbereiter der nationalstaatlichen Einheit Deutschlands.

Otto von Bismarck (1815-1898)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss vom 19.4.1871, Verleihung am 22.5.1871.
Begründung: Wegen seiner Verdienste um das deutsche Volk und das Reich deutscher Nation.

Otto von Bismarck, der Wegbereiter der Reichsgründung von 1871, gilt als der bedeutendste deutsche Staatsmann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Albert Schumacher (1802-1871)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss am 24.10.1859, Verleihung am 31.10. 1859.
Begründung: Wegen seiner Verdienste um den Handel mit den USA und um die deutschen Einwanderer in den USA.

1847 war ein regelmäßiger Schiffsverkehr zwischen den USA und Bremerhaven beschlossen worden.

Daniel Meinertzhagen (1801-1869)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss und Verleihung am 9.2.1859.
Begründung: Wegen seiner Verdienste um den Handel mit Großbritannien und wegen seiner Treue zur Vaterstadt.

Daniel Meinertzhagen galt Mitte des 19. Jahrhunderts als einer der bedeutendsten Kaufleute Londons.

Julius Gottlob von Nostitz und Jänkendorf (1797-1870)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss vom 22.1.1855, Verleihung am 24.1.1855.
Begründung: Wegen seiner Verdienste um die Wiederherstellung der politischen Ordnung in Deutschland und Bremen nach der Revolution von 1848.

Ausgehend von Frankreich erfasste im Jahr 1848 eine Revolutionswelle den größten Teil des europäischen Kontinents.

Dudley Mann (1801-1889)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss und Verleihung am 24.2.1847.
Begründung: Wegen seiner Verdienste um Handel und Verkehr mit den USA.

Der regelmäßige Schiffsverkehr zwischen den USA und Europa ist heute eine Selbstverständlichkeit.

Georg Gramlich (1795-1880)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss vom 18.5.1838 und Verleihung vor dem 19.7.1838.
Begründung: Wegen seiner Verdienste um das Zustandekommen des Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrages der Hansestädte mit Venezuela 1837.

Anfang des 19. Jahrhunderts eröffneten sich für die europäischen Staaten und die USA neue, vielversprechende Handelsperspektiven.

Bernhard Dräseke (1774-1849)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss und Verleihung am 25.1.1832.
Begründung: Wegen der während seiner Amtszeit in Bremen erworbenen Verdienste anlässlich seiner Ernennung zum Bischof in Magdeburg.

Der gebürtige Braunschweiger Pastor Bernhard Dräseke kam 1814 nach Bremen, wo er auf eine lutherische Pfarrstelle der St. Ansgarii-Gemeinde berufen worden war.

Hans Georg von Carlowitz (1772-1840)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss vom 10.12.1828 und Verleihung am 11.12.1828.
Begründung: Wegen seiner Verdienste um das Zustandekommen des Mitteldeutschen Handelsvereins.

Als Hans Georg von Carlowitz im Dezember 1828 zum Ehrenbürger ernannt wurde, ging es dem Senat um aktuelle Interessen Bremens.

James Colquhoun (1780-1855)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss und Verleihung am 1.10.1828.
Begründung: Wegen seiner Verdienste um die Förderung des Handels und der Schifffahrt der Hansestädte.

Nach der napoleonischen Zeit war die Freie Hansestadt Bremen aus dem Wiener Kongress 1815 als souveräner Staat hervorgegangen, der Verträge mit anderen Staaten abschließen konnte.

Heinrich Böse (1783-1867)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss und Verleihung am 21.10.1825.
Begründung: Wegen seiner Verdienste beim Kampf um die Befreiung Deutschlands von fremder Herrschaft.

Die französische Besetzung zu Zeiten Napoleons war nicht nur in politischer Hinsicht für Bremen fatal, sie hatte auch für den bremischen Handel katastrophale Folgen.

Adolf von Lützow (1782-1834)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss vom 13.3.1816, Verleihung am 8.5.1816.
Begründung: Wegen seiner Verdienste im Kampf um die deutsche Nation und als Kommandeur Bremer Freiwilliger im Krieg gegen Frankreich.

Die Besetzung deutscher Territorien durch französische Truppen hatte verständlicherweise in der Bevölkerung großen Unwillen bis hin zum Hass gegen die französische Vorherrschaft geweckt.

Karl vom Stein (1757-1831)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss vom 13.3.1816, Verleihung am 8.5.1816.
Begründung: Wegen seiner Verdienste um Deutschland und um die politische "Wiedergeburt" Bremens.

Auch wenn nach dem Ende der französischen Herrschaft die Wiederherstellung des bremischen Staatswesens bewirkt wurde – bei den Siegermächten galt Bremen formal noch immer als französische Stadt.

Karl von Tettenborn (1778-1845)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss und Verleihung am 24.11.1813.
Begründung: Wegen seiner Verdienste um die Befreiung Bremens von der französischen Herrschaft.

Karl von Tettenborn wuchs in Südwestdeutschland auf, begann seine militärische Laufbahn in österreichischen Diensten und trat 1812 in den Dienst der russischen Streitkräfte.

Charles de Villers (1765-1815)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss und Verleihung am 22.12.1809.
Begründung: Wegen seiner Verdienste um die Anerkennung der deutschen Nation im Ausland und sein Eintreten für die politische Zukunft Bremens auf der Hamburger Konferenz.

Auch die Auszeichnung des Franzosen Charles de Villers als Ehrenbürger Bremens, die anno 1809 vom Bremer Senat verliehen wurde, stand im Zeichen der napoleonischen Neuordnung Europas.

Christian Wilhelm von Dohm (1751-1820)

Ausgezeichnet durch Senatsbeschluss und Verleihung am 22.11.1797.
Begründung: Wegen seiner Verdienste um die Freie Hansestadt, insbesondere der Zulassung Bremens beim Niedersächsischen Kreistag als eigener Kreisstand.

Die erste Verleihung einer Bremer Ehrenbürgerwürde erfolgte 1797 an Christian Wilhelm von Dohm.
Christian Wilhelm von Dohm
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