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Die Schaffermahlzeit

Die Rituale sind streng, das Essen ist wohlschmeckend und das Ambiente einzigartig: Stets am zweiten Freitag im Februar wird im Rathaus die Schaffermahlzeit zelebriert, das wohl älteste Brudermahl der Welt.

Es ist das schönste und repräsentativste Fest, für das die Obere Halle besonders festlich hergerichtet wird. Blankgeputztes Silber liegt auf weißem Damast, Kerzen brennen in schweren, silbernen Leuchtern, und Blumenarrangements schmücken die Tische. Etwa 300 Gäste, im Frack, festlicher Kleidung oder in Kapitänsuniform, tafeln etwa fünf Stunden nach einem minutiös geplanten Ablauf. Es gibt Bremer Hühnersuppe, gefolgt von Stockfisch mit Senfsauce. Des weiteren wird Braunkohl mit Pinkel und Maronen aufgetischt, später dann Kalbsbraten mit Selleriesalat und Katharinenpflaumen. Schließlich kommt der Rigaer Butt auf die Teller, dazu gibt es Sardellen, Wurst und Zunge sowie Käse und Früchte. Vor dem abschließenden Mokka kann jeder Gast aus einer Tonpfeife schmauchen. Unterbrochen wird dieser Festschmaus von einer Reihe tiefgründiger, aber keineswegs humorloser Reden.

Ein Bild von der Schaffermahlzeit, JPG, 176.7 KB
Schaffermahlzeit in der Oberen Halle

Seit über vier Jahrhunderten hat sich an diesem Zeremoniell nichts geändert. Während des Essens, zu dem neben den Mitgliedern des Hauses Seefahrt auswärtige Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft geladen werden, kreist an den Tischen eine Spendendose. Dort hinein legen die Anwesenden unauffällig Geldscheine. Die Spenden kommen dem Haus Seefahrt zugute - einer Stiftung, die 1545 gegründet wurde, um mittellos gewordene Seefahrer oder deren Hinterbliebene zu unterstützen. Hier liegt der Ursprung der Schaffermahlzeit, zu der sich seinerzeit die Kaufleute, Schiffer und Kapitäne trafen, um Gelder für den guten Zweck einzusammeln. Ein Salzfass steht ebenfalls in der Oberen Rathaushalle. Dort hinterlegen die Gäste der Schaffermahlzeit ihre Trinkgelder für die Servicekräfte.